Meine Batman-Story und die Aufdeckung einer Lüge

Steffen Anton, 29.03.2025


Das erste große popkulturelle Phänomen, mit dem ich 1989 nach der Grenzöffnung konfrontiert wurde, war Tim Burtons „Batman“-Film, bei dem Michael Keaton in die Rolle des dunklen Rächers schlüpfte. Praktisch an jeder Ecke sah man sich seinerzeit mit dem schwarz-goldenen Logo konfrontiert.

Das Magazin zum Film.
Das Magazin zum Film.

Mir war der Superheld aus dem Hause DC bis dato nur von dem Film „Batman hält die Welt in Atem“ bekannt, der irgendwann einmal im ZDF gelaufen war. Doch dieser „neue“ Batman schien ganz anders zu sein, viel düsterer und auch cooler. Ein Besuch im Kino war für mich damals noch nicht denkbar, zu sehr war ich damit beschäftigt, mich überhaupt erst einmal in der schönen neuen und bunten Welt des Westens zurechtzufinden.

Aber dennoch war ich brennend an dem Film interessiert. Im Zeitschriftenregal eines Supermarkts stolperte ich eines Tages über das „Magazin zum Film“ aus dem Hause Ehapa, welches für 5 DM erhältlich war. Einige Minuten später lag es dank meiner Überzeugungskraft im elterlichen Einkaufswagen. Ich hatte den Film zwar nach wie vor nicht gesehen, aber dank des Hefts hatte ich nun alle Informationen über ihn, inklusive einer detaillierten Beschreibung der Handlung. Wieder und wieder las ich mir die Zeitschrift Seite für Seite durch und tauchte derart tief in den Film ein, dass ich mich fast fühlte, als hätte ich ihn tatsächlich angeschaut. Das Heft war damals mein größter Schatz, durch eine Dummheit meinerseits habe ich es jedoch ein halbes Jahr später mit einem Nachbarsjungen gegen wertlosen Tand eingetauscht, zusammen mit einer He-Man-Figur. Beides, also Figur und Zeitschrift, befinden sich dank eBay mittlerweile wieder in meinem Besitz.

Wie dem auch sei, die wichtigsten Fakten aus dem Heft schrieb ich sogar noch einmal in einem extra von mir dafür angelegten Heft nieder und verschönerte dies zusätzlich mit Aufklebern und ausgeschnittenen Bildern aus der BRAVO. Schon damals hatte ich scheinbar das Bedürfnis, über Filme zu schreiben. Das Heft ist unten in der Galerie zu sehen.

Geständnis nach 35 Jahren

Der Comic zum Film.
Der Comic zum Film.

Ich komme an dieser Stelle nun zu einem Geständnis. Zur damaligen Zeit waren wir öfters bei Bekannten im nahe gelegenen Niedersachsen. Die Familie hatte zwei Kinder, die ungefähr in meinem Alter waren. Eines Tages, als wir wieder einmal dort zu Gast waren, hatten diese gerade Besuch von einer Freundin, die selbst etwas älter war. Sie schwärmte von dem neuen „Batman“-Film, den sie erst kurz vorher im Kino angeschaut hatte. Vielleicht kennt Ihr das: Als Kind legt man oft Wert darauf, von anderen Anerkennung zu erhalten. Wie sie also so begeistert von dem Film redete, sagte ich beiläufig: „Den habe ich auch schon gesehen“. Ich blickte auf offene Münder in erstaunten Gesichtern, denn der Streifen war wirklich erst einige Tage zuvor in den Kinos angelaufen, und schließlich war ich doch ein „Ossi“, hatten die da überhaupt Kinos? Ich klang auf jeden Fall sehr überzeugend, kannte ich doch dank meiner Zeitschrift die Handlung in- und auswendig. Doch dann stellte sie die Frage, die mich ins Schwitzen brachte. „Wo hast Du den Film denn gesehen?“ Was sollte ich nur sagen? Ich überlegte fieberhaft, und das exotischste, das mir spontan einfiel, war „Tele 5“. Wir hatten damals zwar noch kein Privatfernsehen, doch ich hatte den Namen des Senders kurz zuvor in einer Fernsehzeitschrift gelesen. Mir war jedoch nicht bewusst, dass damals in der BRD praktisch jedermann sämtliche dieser Programme empfangen konnte. Deshalb antwortete sie etwas ungläubig: „Oh, habe ich gar nicht mitbekommen, dass der schon im Fernsehen lief.“ Meine restliche Argumentation war jedoch wohl so schlüssig, dass sie es schluckten. Falls Ihr das jetzt lest: Sorry, ich habe Euch schändlich belogen!

 

In den darauffolgenden Wochen entdeckte ich auch die ersten „Batman“-Comics, die damals noch im Hethke-Verlag erschienen. Die zwei Hefte, die ich damals gekauft habe, befinden sich noch heute in meinem Besitz. Im gleichen Verlag erschien auch ein Comicalbum zum Film, welches ich mir einige Jahre später ebenfalls zulegte.

Mein Lieblings-Batman

Batman als Tattoo.
Batman als Tattoo.

Meine tatsächliche Erstsichtung des Films fand am 19. Dezember 1992 bei seiner Free-TV-Premiere auf ZDF statt. Ich nutzte diese Gelegenheit dazu, ihn auf VHS aufzuzeichnen und immer wieder anzuschauen. Was Burtons Interpretation des Superhelden betrifft, so ist sie für mich trotz zahlreicher weiterer Verfilmungen mit anderen Darstellern nach wie vor dessen gelungenste. Das hat viel mit der großartigen Musik von Danny Elfman zu tun, aber auch generell mit dem düsteren, fast ins Surreale gehenden Ansatz, den der Regisseur verfolgte. Das Design des Batmobils und auch der Anzug des Helden sind bis heute für mich unerreicht und Gotham City sah nie wieder derart faszinierend aus. Nicht zuletzt ist es auch das edle, glänzende Logo, welches mich seit meiner Kindheit begleitet. Von Vorteil war zudem vermutlich, dass ich den Film und alles, was dazugehört, für immer mit der Wendezeit und somit der gravierendsten Veränderung innerhalb meines Lebens verbinden werde. Aus diesem Grund ziert mein rechtes Schulterblatt auch seit einigen Jahren ein Tattoo mit Michael Keaton als Batman.


Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 2. Februar 2022 bei Retrokram und wurde für die Neuveröffentlichung stark überarbeitet und erweitert.