Steffen Anton, 23.02.2025
Was für Mädchen in den 1980er-Jahren (Barbie-) Puppen waren, das waren für Jungs die Actionfiguren. Zu den bekanntesten Produkten dieser Art gehörten die „Masters of the Universe“ der Firma Mattel. Als Kind der DDR hatte ich bis 1989 keinen Zugriff auf derlei wunderbare Dinge. Mein altersbedingtes Zeitfenster nach der Öffnung der Grenzen war dann sehr klein, denn spätestens als Teenager hatte ich verständlicherweise anders gelagerte Interessenschwerpunkte. Ich musste also in zwei bis drei Jahren all das nachholen, was ich in der Zeit zuvor versäumt hatte.
Immerhin auf vier verschiedene dieser Spielzeuge brachte ich es dennoch, bevor ich mich dann anderen Dingen zuwandte. Allen ist eines gemeinsam: Sie gingen im Laufe der Zeit auf die eine oder andere Weise verloren, befinden sich jedoch dank eBay mittlerweile wieder in meinem Besitz. Zu jeder Figur gibt es zudem eine kleine Geschichte, welche ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte.
Die „Dino-Riders“ der Firma Tyco waren eine Spielzeugserie, welche Ende der 1980er-Jahre auf den Markt kam. Erzählt wird die Geschichte von telepathisch begabten Außerirdischen, welche zur Zeit der Dinosaurier auf die Erde kommen, und sich mit Hilfe der Riesenechsen bekämpfen. Parallel zu den ausgesprochen detailgetreuen Figuren gab es zur besseren Vermarktung eine Cartoonserie. Insgesamt erschienen vier Serien mit unterschiedlichen Figuren, bevor das Franchise Anfang der 1990er-Jahre dann wieder von der Bildfläche verschwand.
Wir waren zu DDR-Zeiten stolze Besitzer eines PKW der Marke Trabant. Obwohl dieser uns treue Dienste geleistet hatte, wollten meine Eltern sich natürlich dann irgendwann ein „richtiges“ Auto kaufen. Der Weg führte uns 1990 hierzu ins kleine niedersächsische Städtchen Nörten-Hardenberg in ein Opel-Autohaus. Dort bestellten wir einen Kadett, welcher einige Wochen später abholbereit sein würde. Anschließend führte uns ein kleiner Stadtbummel in diverse Läden, unter anderem auch in ein Spielwarengeschäft. Ich war Feuer und Flamme, als ich die Dino-Riders-Figuren erblickte, was aufgrund meiner damaligen Begeisterung für Saurier wenig verwunderte. Es gab die unterschiedlichsten Modelle die sich preislich erheblich voneinander unterschieden. Irgendwann hatte ich meine Eltern so weit, dass ich mir für maximal 20 DM etwas aussuchen durfte. Meine Wahl fiel auf den Ankylosaurus, welcher 19,90 DM kostete.
Von allen Actionfiguren, die ich je besaß, war und ist mir diese aufgrund ihrer Detailtreue und der Dino-Thematik mit Abstand am liebsten. Leider kam aber auch sie mir irgendwie abhanden. Daher begab ich mich im Jahr 2020 im Internet auf die Suche, um festzustellen, dass original verpackte Exemplare zu mittlerweile horrenden Preisen gehandelt wurden. Letztlich wurde ich bei einem spanischen Händler fündig, welcher für ungefähr 120 EUR sogar eine deutsche Ausgabe in makelloser Verpackung anbot. Prompt schlug ich zu – musste jedoch erst einmal monatelang auf die Lieferung warten. Der Grund hierfür: Während des Lockdowns in Spanien ging dort lange Zeit gar nichts. Der Händler beteuerte mir jedoch in regelmäßigen E-Mails, dass er mich nicht vergessen habe und er sobald es irgendwie möglich sei, das Paket verschicken würde. Umso größer war die Freude, als ich die Schachtel dann in den Händen hielt. Alles war genauso, wie ich es in Erinnerung hatte.
Zu den „Masters of the Universe“ muss man sicherlich nicht mehr viel sagen. Von 1982 bis 1988 waren die Figuren um He-Man und seinen Erzfeind Skeletor in fast jedem Kinderzimmer zu finden. Gegen Ende ihrer Zeit waren die muskelbepackten Recken jedoch immer unbeliebter geworden und die Verkaufszahlen waren im Keller. 1989 versuchte Mattel daher, mit den „New Adventures“ die Reihe in etwas modernisierter Form wiederzubeleben. Diese Versuche scheiterten jedoch ebenfalls und die Serie wurde 1992 wieder eingestellt. Mittlerweile hat die allgemeine Retro-Welle dazu beigetragen, dass von Mattel wieder neue Figuren produziert werden.
In den Genuss der Figuren der originalen Serie konnte ich 1989 natürlich nicht mehr kommen, das war mir damals jedoch nicht bewusst. Gegen Ende des Jahres betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben ein westliches Spielwarengeschäft und war förmlich erschlagen. Eine gefühlte Ewigkeit stand ich vor den bunten Regalen mit ihren unzähligen Spielzeugen. Besonders die Actionfiguren hatten es mir angetan und ich durfte mir tatsächlich eine aussuchen. Meine Wahl fiel auf „Optikk“ aus der He-Man-New-Adventures-Serie, einer der Bösewichte welcher anstatt eines Kopfes einen großen Augapfel hat. Fortan hatte ich ein neues Lieblingsspielzeug. Doch meine Freude währte nicht lange: Mittels eines unfairen Tauschhandels wurde ich vom einem Nachbarsjungen über den Tisch gezogen und so um meinen Schatz gebracht.
Viele Jahre gingen nun ins Land, die Figur ging mir jedoch nicht aus dem Kopf. Als die Möglichkeiten des Internets immer vielfältiger wurden, schaute ich deshalb bei eBay, ob nicht vielleicht irgendwo ein Optikk angeboten wurde. Und tatsächlich – ein Händler in Großbritannien verkaufte eine original verpackte Figur für ungefähr 20 Pfund. Das war 2006, also schon mehr als 15 Jahre nach meinem Trauma. Ich schlug natürlich sofort zu, und einige Tage später hielt ich die Figur endlich wieder in den Händen. Jeder Sammler wird mich hierfür verdammen: Ich riss sofort die Packung auf, um ein wenig damit "zu spielen". Die Figur ist mit einer Waffe ausgestattet und der rechte Arm enthält eine Feder – zieht man ihn zurück, schnellt er nach vorn. Zudem kann man das Auge/den Kopf mittels eines Rädchens am Rücken drehen. Ich war überglücklich. Mittlerweile habe ich die Figur in die Packung zurück gelegt und diese wieder zugeklebt. So sieht er (fast) aus, wie original verpackt.
Das Spielwarengeschäft "Schmalstieg" im niedersächsischen Duderstadt existiert übrigens ebenfalls noch. Vor einigen Jahren war ich dort – und sie hatten tatsächlich wieder "Masters of the Universe" im Angebot.
Nicht nur der Kinofilm „Ghostbusters“ schlug 1984 ein wie eine Bombe. Auch die Zeichentrickserie "The Real Ghostbusters", welche zwei Jahre später anlief, war ein großer Erfolg. Kein Wunder also,
dass auch hierzu eine eigene Serie mit Actionfiguren aufgelegt wurde. Verantwortlich hierfür zeichnete die Firma Kenner. Neben den bekannten Geisterjägern um Peter Venkman gab es auch zahlreiche
Geister, beispielsweise den berühmten Marshmallow-Mann.
Machen wir nun eine Zeitreise in das Jahr 1990. Steffen ist in der fünften Klasse und es geht auf zur Klassenfahrt nach Kassel. Mit dem Bus werden er und seine Mitschüler dorthin gefahren. Man
schaut sich einige Sehenswürdigkeiten an. Doch Steffen ist hieran nicht interessiert. Soll es doch anschließend noch in das Karstadt-Kaufhaus gehen. Steffen hat auch ein bisschen Geld
mitbekommen, welches er nach Gutdünken investieren darf. Zusammen mit dem anderen Nerd der Klasse begibt er sich prompt zur Spielwarenabteilung und dort zu den Actionfiguren. Während die Wahl
seines Kumpels auf Skeletor fällt, entscheidet sich Steffen für "Gary Großmaul". Es handelt sich hierbei um einen Footballspieler, dessen Rücken sich öffnen lässt und auf diese Weise das Maul
eines grässlichen Monsters offenbart. Auf dem Heimweg liefert sich Gary im Bus schon die ersten erbitterten Kämpfe mit Skeletor.
Die Figur war innerhalb meiner Spielzeuge zwar nie mein Topfavorit, dennoch verbinde ich viele gute Erinnerungen mit ihr. Daher war es auch hier Ehrensache, sie mir noch einmal original verpackt
zu besorgen.
Die „Transformers“ der Firma Hasbro gehören zu den beliebtesten Spielzeugen der 1980er-Jahre und erhielten im neuen Jahrtausend dank der Kinofilme einen erneuten Aufschwung. Das Konzept ist
aber auch zu gut: Roboter, die sich in Autos verwandeln können, kämpfen gegeneinander um die Weltherrschaft.
Ich war seinerzeit im Besitz des kleinen Polizeiwagens „Streetwise“, der sich natürlich ebenfalls in einen Roboter verwandeln konnte. Die Geschichte, wie ich hierzu kam, war jedoch bei allen
meinen Actionfiguren die überraschendste. Es muss ebenfalls entweder 1990 oder 1991 gewesen sein, als ich an einem Samstagabend allein daheim vor dem Fernseher saß. Meine Eltern waren zu Besuch
bei Bekannten, also hatte ich das Wohnzimmer für mich. Mein Plan war es, einen James-Bond-Film anzuschauen, der auf ARD ausgestrahlt werden sollte. Meine Schwester war ebenfalls noch daheim, da
sie auf ihren damaligen Freund wartete. Irgendwann traf dieser auch ein, um sie abzuholen. Vorher kam er jedoch noch zu mir ins Wohnzimmer und drückte mir grinsend etwas in die Hand –
„Streetwise“. Meine Überraschung und Freude über dieses unerwartete Mitbringsel waren verständlicherweise sehr groß. Den Rest des Abends verbrachte damit, mit der Figur zu spielen – James Bond
war auf einmal gar nicht mehr so interessant.
Trotz der nur vergleichsweise kurzen Phase, in der „Westspielzeug“ für mich sowohl verfügbar als auch interessant war, hatte ich natürlich eine hervorragende Kindheit, an die ich mich sehr gern zurück erinnere. Und die Actionfiguren, die ich hatte und nun wieder habe, waren ein wichtiger Teil hiervon. Heute haben sie allesamt (natürlich in Originalverpackung) einen Ehrenplatz in meinem „Spielzimmer“.
Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 26. April 2021 bei Retrokram und wurde für die Neuveröffentlichung stark überarbeitet und erweitert.